Leichte Sprache im Web

Bildmontage Computer mit easy-to-read Logo.

Illustrationen: Mozilla & Inclusion Europe. Bildmontage Gionathan Diani.

Die Leichte Sprache ist eine Massnahme zur Barrierefreiheit um Kommunikations­barrieren abzubauen. Regeln der Leichten Sprache sollen helfen, Sachverhalte zu vereinfachen, um diese einer sehr diversen Anspruchsgruppe zugänglicher zu machen. Verbreitete Regelwerke geben sowohl inhaltliche wie auch gestalterische Vorgaben. Allerdings herrscht kein Konsens und bisherige Publikationen beziehen sich stark auf Print als Zielmedium.

Entstehung der Leichten Sprache

Im Jahr 1974 organisierte eine Gruppe von Menschen mit Behinderung eine Konferenz in Oregon, aus Frustration, dass bei einer vorangegangenen Konferenz in den Diskussionen hauptsächlich Fachleute zu Wort kamen, die Betroffenen aber kaum hinzugezogen wurden. Im Rahmen der Konferenz entstand die Selbstbezeichnung «People First» aus welcher die gleichnamige Selbst­vertretungsbewegung entstand (Erlinger, 2004). Die Bewegung hat sich über die US-Grenze hinaus etabliert, inzwischen existieren in vielen Ländern Ableger.

Seit 2006 setzt sich das Netzwerk Leichte Sprache stark für die Verbreitung der Ausdrucksform ein. Die entstandenen Regelwerke und Lexiken wurden aus der Praxis heraus und hauptsächlich von den Betroffenen selbst entwickelt.

Die Leichte Sprache heute

Dem Aktivismus der Bewegung ist es zu verdanken, dass die Leichte Sprache sich sowohl auf dem politischen Parkett etablieren konnte wie auch zum Forschungs­gegenstand wurde.

In Deutschland sind die Behörden aufgefordert in Leichter Sprache zu publizieren. Im Gegensatz dazu wird weder im Schweizer Behinderten­gleichstellungs­gesetz noch in der Behinderten­gleichstellungs­verordnung (BehiV) die Leichte Sprache als solche erwähnt. In der BehiV wird allerdings für Dienst­leistungen im Internet darauf verwiesen, dass «Die Information sowie die Kommunikations- und Transaktions­dienstleistungen über das Internet müssen für Sprach—, Hör- und Sehbehinderte sowie motorisch Behinderte zugänglich sein». Ein Thema ist die Leichte Sprache bei Schweizer Behörden aber durchaus. Bestandteil des Aktionsplan «Aktionsplan E-Accessibility 2015–2017» war die Erarbeitung eine Leitfadens «Leitfaden Behinderung und Internet (inkl. Gebärdensprache / Leichte Sprache)».

Leichte Sprache & Web

Der Umgang mit dem Medium Internet von Menschen mit einer kognitiven Einschränkung ist kaum erforscht. Studien zeigen aber eine unterdurchschnittliche Nutzung des Mediums. Gerade durch die fortschreitende Digitalisierung ist zu klären wie sich Benutzeroberflächen grundsätzlich besser für die Zielgruppe gestalten lassen.

Im Allgemeinen ist bei Massnahmen zur Barrierefreiheit im Web kaum etwas zur Leichten Sprache zu finden.

Erste Entwicklungen zeigen sich aber in der Überarbeitung der WCAG. Bei der Weiterentwicklung des Standards auf die Version 2.1 lag der Fokus u.a. auf Empfehlungen für Personen mit kognitiven Einschränkungen und Lernschwierigkeiten.

Verbreitet Techniken zur Umsetzung der Leichten Sprache auf Webseiten gibt es nicht. Oft zu beobachten ist die Verwendung eines Hyperlinks im Navigationsbereich der Webseite, manchmal auch unter Verwendung des «the easy-to-read logo» von Inclusion Europe, um auf eine Version der Seite in der Leichten Sprache zu gelangen.

Für redaktionelles Arbeiten eignen sich bereits bestehende Text­verarbeitungs­programme. Im Einsatz stehen etwa Terminologie Management-Systeme, welche das Erfassen von Ausgangs- und Zielwort erlauben, wie auch deren Synonyme, um beim Schreiben, Vorschläge zu unterbreiten damit die Übersetzungen durch die Wiederverwendung der Wörter möglichst konsistent werden (Zehrer, 2014).

Das Projekt EASY READING hat den Ansatz, Webseiten zu augmentieren. Kernstück des Frameworks ist das personalisierte Anpassen von Nutzeroberflächen. Ein Nutzer legt sich ein EASY READING Profil an, in welche Präferenzen zu den Hilfestellungsmöglichkeiten festgelegt werden. Beim Aufruf einer Webseite können die Hilfestellungen zusätzlich geladen werden. Durch das Laden des Profils wird eine Seite entsprechend den Vorgaben angepasst. Zu den möglichen Anpassungen gehören: Vorlesefunktion, Laden von Bildern um Wörter besser zu verstehen, Anpassungen der Textdarstellung oder Übersetzung von Wörtern.

Fazit

Gerade der virtuelle Raum eignet sich für die vielfältige Zielgruppe. So ist es wie kaum auf einem zweiten Medium möglich, die Angebote auf den jeweiligen User zu individualisieren.

Durch das Schaffen von allgemeingültigen Standards liessen sich Angebote bewerkstelligen die der heterogenen Adressatenschaft gerecht würden. Denkbar ist die Schaffung eines neuen ISO 639 Codes für die Leichte Sprache um User die korrekte Version der Seite ausliefern zu können.

Potential steckt in der Ver­wirk­lichung des Web 3.0: «The Semantic Web, along with other innovations, is poised to support the opportunity for web enjoyment to be individualized and contextualized in consideration of a user’s preferences, skills, motivation, use of assistive technology (AT), and myriad applications across desktop and mobile platforms, operating systems, and devices.» (Blanck, 2015)

Grundsätzlich decken viele der Empfehlungen aus dem WCAG in gestalterischer Hinsicht An­forderungen aus der Leichten Sprache ab. Diese zu befolgen ist ratsam, technische Im­ple­ment­ationen der Leichten Sprache sind noch ausbaufähig.